DER HERRSCHERPALAST  -  ZEUGE BEDEUTSAMER HISTORISCHER EREIGNISSE
 
Unmittelbar im Zentrum von Vilnius, auf dem auch als „Herz der Stadt“ bezeichneten Kathedralenplatz, steht mächtig und erhaben der Herrscherpalast. Seine Geschichte gemahnt an die glanzvollsten Zeiten des Landes, als hier die Herrscher des Großfürstentums Litauen residierten. Der Palast wurde mehrere Male in Brand gesetzt, oft änderte sich sein äußeres Erscheinungsbild und schließlich wurde er sogar gänzlich zerstört. Jetzt, 200 Jahre später, empfängt der Herrscherpalast seine Gäste in neuer Pracht.
 
Unser Stolz
 
Der Fuß des Gediminas-Bergs war bereits im 4. Jh. bewohnt. Mit der Entstehung des litauischen Staates wurde Vilnius zu einem bedeutsamen politischen Zentrum und schließlich Hauptstadt des Großfürstentums Litauen. Dort, wo sich zunächst eine hölzerneSiedlung aus  Holz befunden hatte, errichtete man zum Ende des 13. Jh. eine prachtvolle Burg - die erste Steinburg Litauens und eines der bedeutsamsten Gebäude auf dem Gelände der Unteren Burg. Ende des 15. Jh. wurde die Wehrburg im gotischen Stil zu einer repräsentativen Residenz für die litauischen Großfürsten umgebaut. 16. Jh. fand mit Hilfe hiesiger, außerdem italienischer und polnischer Architekten, Künstler und Meister abermals ein Umbau statt, dieses Mal im Stil der Renaissance. Dieser Bau wurde wiederum später mit barocken Zügen versehen. In diesem Palast residierten die Herrscher der litauisch-polnischen Republik.
 
 
 
 
Im 16. und 17. Jh. erlebte der Palast seine Blüte. Damals war Vilnius ein wichtiges Zentrum Mittel-und Osteuropas und das Großfürstentum Litauen und Königreich Polen, regiert von Monarchen der Dynastien der Jagiellonen und Wasa, der einflussreichste Staat dieser Region. So fanden in diesem Palast auch nicht wenige europäisch bedeutsame Ereignisse statt. Hier wurden Abgesandte anderer Länder empfangen, hier kam das Parlament zusammen, wurden die Großfürsten vereidigt, internationale Verträge unterzeichnet, Gericht gehalten, das litauische Statut aktualisiert sowie die Staatskasse und das Staatsarchiv aufbewahrt. Der Palast rühmte sich ebenfalls, im Besitz einer der größten Bibliotheken Europas sowie Sammlungen ungewöhnlicher Waffen, Rüstungen und Jagdtrophäen zu sein. Auch Kunstgegenstände beherbergte der Palast, darunter Wandteppiche, Gemälde und Schmuck. Die namhaftesten Künstler arbeiteten in diesem kulturellen Zentrum. Die Zeit der Blüte fand um die Mitte des 17. Jh. ein Ende. Der Palast wurde im Krieg mit Moskau zerstört und im 19.Jh. zerfiel er vollends.
 
Rechtzeitige Wiedererstehung zur 1000-Jahres-Feier des Namens Litauen
 
Der Plan, den Herrscherpalast erneut aufzubauen, entstand Ende des 20. Jh. im Zuge der litauischen Befreiungsbewegung. 1987 begann man mit detaillierten archäologischen Ausgrabungen, anlässlich derer eine halbe Million Funde verzeichnet wurden. Sie bildeten die Grundlage des Wiederaufbaus. 2002 wurden die Rekonstruktionsarbeiten aufgenommen. Am 06.Juli 2009 fand anlässlich der 1000-Jahres-Feier der schriftlichen Ersterwähnung des Namens Litauen ein symbolischer Eröffnungsakt statt.
Das Nationalmuseum Palast der Großfürsten von Litauen wird ab Mitte 2013 mit einer ständigen Ausstellung für Besucher geöffnet sein. Solange die Rekonstruktionsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind, finden Ausstellungen und Veranstaltungen des Museums im Museum für angewandet Kunst (Arsenalo g. 3A) sowie anderen kulturellen Räumen der Stadt Vilnius oder Litauens statt.