EINES DER SELTSAMSTEN MUSEEN DER WELT
 
Ganz in der Nähe des schönen litauischen Kurorts Druskininkai befindet sich eines der zehn seltsamsten Museen der Welt.
 
Bloßgestellte Sowjetideologie
 
In den Jahren nach der Wiedererlangung der litauischen Unabhängigkeit, 1989 bis 1991, wurden viele der sowjetischen Denkmäler abmontiert und in Lagern und Hinterhöfen untergestellt. Man konnte sich zunächst nicht einigen, was in Zukunft mit ihnen geschehen sollte. Schließlich entschied man sich dafür, sie im eigens zu diesem Zweck eingerichteten Grutas-Park auszustellen. Die Sammlung entblößt den negativen Gehalt der sowjetischen Ideologie und deren Beeinflussung des Wertesystems und soll sowohl Litauern wie auch Gästen des Landes und kommenden Generationen eine Gelegenheit bieten, das wahre Gesicht der Ideologie zu entdecken, das über viele Jahrzehnte das geistige Leben des litauischen Volkes unterdrückte und demütigte.
Über 100 stattliche Denkmäler sowjetischer Führer werden hier präsentiert, die  allesamt den grotesk übertriebenen Politkult der Sowjetzeit vorführen. Besucher des Parks können außerdem eine Gemäldegalerie und ein Museum für die sowjetische Propagandamaschinerie, die von ihrer Entstehung bis zu ihrer Zerschlagung auf unsere damalige Gesellschaft massiv Einfluss nahm, besichtigen. Das gesamte Gelände umfasst 20 Hektar und enthält verstreute Wachtürme, Teile  von Arbeitslagern und Sowjetelementen, an anderen Stellen gemahnt es an Sibirien.
 
Feste und Gerichte im Sowjetstil
 
Alljährlich findet hier ein „Sowjetfest“ mit satirischen Darbietungen über das damalige Leben statt. Schauspieler kleiden sich in sowjetische Paradeuniformen, lassen verstorbene Politiker für einen Tag zu neuem Leben erwachen und in den merkwürdigsten Situationen erscheinen. Lachen garantiert!
Nicht nur einmal im Jahr, sondern jeden Tag kann man im Restaurant des Grutas-Park typisch sowjetische Gerichte probieren. Besonders beliebt sind Pilzgerichte. Diese Gerichte und die sowjetische Atmosphäre ziehen stets viele Besucher an, für die das Museum einen geradezu exotischen Charakter hat. Manch einer wird aber auch von nostalgischen Gefühlen übermannt und taucht mit einem Lächeln im Gesicht in die Tage seiner Kindheit ein.
 
Die Raketenbasis
 
Ein anderes Museum des Kalten Krieges befindet sich am anderen Ende des Landes, unweit von Plungė. Auch dieses Museum lädt dazu ein, mehr über die Geschichte Litauens zu erfahren und die schmerzhafte Vergangenheit aus unmittelbarer Nähe zu erleben, denn an diesem Ort wurde vor einem halben Jahrhundert eine unterirdische Basis für ballistische Raketen mit thermonuklearen Sprengköpfen errichtet. Das Museum soll an den sowjetischen Part im Kalten Krieg erinnern.
Die ehemaligen Raketenwerfer und Schächte mit Kuppeldächern wurden wieder in Stand gesetzt. Der Gang über das Gelände verursacht Gänsehaut, die militärische Atmosphäre wird verstärkt durch realistisch anmutende Puppen – menschliche Prototypen, denen der Zufall zugedacht hatte, in der sowjetischen Armee zu dienen.