EINDRUCKSVOLLE ARCHITEKTUR: ST. ANNA UND DAS BERNHARDINERKLOSTER
 
Ausdrucksstarke Türme, unzählige Bögen, hunderte eiserner Türchen und eine Fülle weiterer Ausschmückungen – das ist die Annenkirche in Vilnius. Von ihrer Schönheit, heißt es, war Napoleon so angerührt, dass er die Zierde der Vilniusser Altstadt auf seiner Handfläche nach Paris tragen wollte. St. Anna und das danebenliegende Bernhardinerkloster bilden gemeinsamen das berühmteste gotische Ensemble Litauens.
 
Die Geschichte von St. Anna
 
Die Annenkirche ist eines der schönsten und vielleicht sogar das berühmteste Bauwerk von Vilnius. Sie ist ein wahres Meisterwerk der Gotik, die sich durch ihre einzigartige architektonische Komposition von anderen Kirchen hervorhebt. Erbaut wurde sie wohl zum Ende des 14. Jh. für die Frau des litauischen Fürsten Vytautas des Großen. Allerdings fiel die Holzkonstruktion der Kirche einer Feuersbrunst zum Opfer und die Kirche konnte erst viel später, um 1599, von Franziskanern aus Ziegeln neu errichtet werden.
500 Jahre lang blieb die Kirche nahezu unverändert: die Plastiken, die dynamische Form, die vertikalen Proportionen und der reliefartige Charakter. Ihre Anmut liegt darin begründet, dass für den Bau 33 verschiedene Arten Ziegel verwendet wurden. Im 19. Jh. wurde sie von dem Architekten Nikolajus Čiaginas durch einen Glockenturm im neogotischen Stil ergänzt.

Ein Kunstwerk allerhöchsten Ranges
 
In der Annenkirche offenbaren sich die verschiedensten Kunststile, die in raffinierter Weise von den herausragenden Meistern der damaligen Zeit kombiniert wurden. Sowohl im Kircheninneren wie auch in der äußeren Erscheinung dominiert der gotische Stil, die Altäre hingegen tragen barocke Züge. Die aufwärtsstrebenden, schlanken Turmspitzen verweisen auf einen architektonischen Gedanken der Gotik: näher zu Gott.
 
 
Das Gegenstück zu St. Anna – die Bernhardinerkirche
 
Die Berhardinerkirche mit dem dazugehörigen Kloster wiederum gehört zu den erhabensten und prachtvollsten sakralen Gebäuden der Gotik in Vilnius, auch wenn sie zwischen dem 17. und dem 18. Jh. um Elemente aus der Renaissance und dem Barock ergänzt wurde. Sie ist das komplette Gegenstück zu St. Anna - ein ganz anderer Stil, viel größer und geräumiger.
Einer Legende zufolge waren die Unterweisungen der Bernhardinermönche so populär, dass sich die Menschen in Scharen versammelten, um ihnen zu lauschen und genau deswegen ist die Kirche auch so groß ausgefallen. Zu Beginn des 16. Jh. wurde sie sogar in den Verteidigungswall der Stadt eingegliedert, weshalb man an ihren Außenwänden Schusslöcher sehen kann.
Für Kunstinteressierte gibt es in der Bernhardinerkirche wertvolle Wandmalereien aus dem 16. Jh. sowie die älteste in Litauen bekannte Skulptur des gekreuzigten Christus aus dem 15 Jh. zu besichtigen. Im gotischen Glockenturm können Sie über eine Wendeltreppe bis unter das Kirchendach steigen – fast 17m hoch. Sie werden die hölzerne Dachkonstruktion, das Mauergewölbe der Kirche und die erwähnten Schusslöcher sehen. Außerdem werden Sie einen herrlichen Panoramablick auf die Stadt haben, der die  Gediminas-Burg, den Berg der drei Kreuze und andere Kirchen der Altstadt mit einschließt. Auch die seit dem 19. Jahrhundert auf einem Balkon untergebrachte Orgel lässt sich hier oben von Nahem bewundern.
 
 
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