VON KIRCHTÜRMEN ÜBERSÄTES LAND
 
Litauen ist mit Kirchtürmen geradezu übersät. Aus allen Dörfern und Städten sprießen sie rot und weiß hervor, ziehen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich und sind natürlich vor allem der Stolz der Einwohner. An den Sonntagen sammeln sie sich vor ihrer Pfarrkirche und warten auf den Beginn der heiligen Messe. Die Reisenden, Touristen und Kunstinteressierten hingegen lockt eher die eindrucksvolle, erhabene und geschichtsträchtige Architektur unserer Gotteshäuser.
 
Die majestätischen Bauwerke spiegeln wechselvolle Geschichte wieder
 
Unsere Kirchen sind so etwas wie ein litauisches Geschichtsbuch. Entstehungsgeschichte, Architektur und die Kunstwerke im Kircheninneren spiegeln den Wechsel der Zeiten, erzählen von dem Schicksal der Menschen der jeweiligen Gegend. Kirchen wurden sogar zu Verteidigungszwecken gebaut und genutzt. Sie haben viel erlitten und in den Kriegen wurden nicht wenige von ihnen sogar zerstört.
Die ersten Kirchen erhielt das Land noch vor seiner Christianisierung. Sie wurden von hier lebenden Kaufleute und Handwerksleuten erbaut. Nach der Taufe Litauens im Jahr 1387 begannen sie sich zu vermehren. Um die Mitte des 20. Jh. zählte man in Litauen 885 katholische Kirchen und Kapellen.
 
Fülle und Vielfalt unserer Kirchen
 
Gotteshäuser gibt es in unserem Land in Hülle und Fülle und sie sind noch dazu sehr unterschiedlich. Am meisten erwähnt und besucht werden natürlich die großen, imposanten Bauten in den Stadtzentren. Doch die kleinen, fernab von den Städten gelegenen Kirchen beeindrucken nicht weniger. Selbst Kirchen moderner Architektur, denen man ihre sakrale Bestimmung von weitem nicht ansieht, findet man in Litauen.
 
Die berühmtesten Kirchen Litauens
 
Die erste litauische Kirche ist vermutlich die vom Großfürst Mindaugas im13. Jh. in Vilnius errichtete Vilniusser Kathedrale, die während ihres langen Lebens manches Mal zerstört und wieder aufgebaut wurde. Die älteste erhaltene Steinkirche ist St. Nikolai, erbaut im 14.-15. Jh. im gotischen und romanischen Stil erbaut.
Die Annenkirche gilt mit ihrer geradezu atemberaubenden Schönheit als Meisterwerk der Spätgotik.
In der Kapelle im Tor der Morgenröte wird die Wunderikone der Schwarzen Madonna von Vilnius aufbewahrt. Die kleine Kapelle weist Züge des Spätbarocks auf und ist eine der am häufigsten aufgesuchten Wallfahrtstätten des Landes.   
Eindrucksvoll und majestätisch ist die Kirche der Heiligen Apostel Peter und Paul in Vilnius.
Die älteste litauische Holzkirche finden Sie in Palūšė im Rajon Ignalina. Die schlichte, dennoch wohlproportionierte Kirche aus Holz stellt ein Beispiel des Volksbarock dar.
 
Die Kirche – ein Teil des Verteidigungskomplexes in Trakai
 
Litauische Kirchen wurden nicht nur als Gebetshäuser, sondern auch zu Verteidigungszwecken errichtet. Ein solches Beispiel ist die gotische Kirche der Aufsuchung der heiligen Mutter Maria in Trakai.  Auf des Spitze der Burg erbaut, schützte die Kirche den Zugang zur Burg, war gleichzeitig das sakrale Zentrum der Stadt und kam an Bedeutung der Inselburg gleich. Nicht nur das Ausmaß der Kirche, sondern auch ihre Geschichte ist außergewöhnlich und sie musste mehrere Male geschlossen werden. Heute ist die Kirche von Trakai ein einmaliges litauisches Kulturdenkmal, das an eine vielschichtige, sechs Jahrhunderte umspannende Geschichte erinnert.
 
Pilgerstätte Šiluva
 
Das kleine Städtchen Šiluva im Rajon Raseiniai ist ein oft aufgesuchter Pilgerort in Litauen. Hier wird die seit fast 500 Jahres traditionell die Ablassmesse gefeiert. Besonders Anhänger von Papst Johannes Paul II verehren den Ort. Sie ziehen betend auf ihrem Pfad dahin, freuen sich an sauberer Luft, sanft geschwungenen  Hügeln und dem Stadtpanorama.
 
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