EIN LEHRPFAD DURCH IM SAND VERGRABENE DÖRFER
 
Der Lehrpfad im Negelschen Naturreservat (Naglių gamtos rezervatas) mit seinen  vom Sand verschlungenen Dörfern und der umwerfend schönen Landschaft der Grauen (Toten) Dünen ist eines der spannendsten Objekte im Nationalpark Kurische Nehrung. Beim Begehen des mehr als 1000m langen Pfads sehen Sie die durch die starke Windverwehungen entstandenen Gruben und Höhlungen, sowie selten einmal unter dem Sand hervorkommende Böden uralter Wälder. Sie werden nachempfinden, was die berühmte litauische Dichterin Salomėja Neris in ihrem Gedicht „Der Wind“ beschrieb: Vėjas, oi, vėjas! / Vėjas ir vėjas! / Plaukus paleido ir apkabino, / Ir išbučiavo veidą, krūtinę (Der Wind, oh, der Wind! / Wind über Wind!/  Zauste die Haare und umarmte, / küsste Gesicht und Brust).
 
Nirgendwo anders werden Sie Ähnliches erblicken
 
Das Negelsche Naturreservat dient unter anderem dem Schutz der Grauen (Toten) Dünen, einer der am meisten beeindruckenden Erscheinungen der Kurischen Nehrung und sogar ganz Litauens, die niemanden gleichgültig lässt. Hier finden Sie seltene, im Roten Buch Litauens eingetragene  Pflanzen und Lebensräume und unter dem Sand schlafen vier Dörfer, zwei Friedhöfe, alte Böden und Überreste von Altdünen  – Anblicke, die Sie nirgends sonst, nur im Negelschen Naturreservat geboten bekommen.
Auf diesem Gelände ist jeder menschliche Eingriff verboten, allein für Forschungszwecke wurden  Beobachtungspunkte errichtet. Allerdings kann man die auf dem eigens für Besucher eingerichteten Lehrpfad die Düne auch betreten. Der Pfad ist zum Teil mit Brettern und Kies befestigt, der restliche Abschnitt führt über Sand.
 
 
Hier steigt die Sonne aus dem Meer, um später wieder im Meer zu versinken
 
Der Lehrpfad im Negelschen Naturreservat ist der einzige Ort, von dem man aus die Objekte des Geländes betrachten kann. Allerdings eröffnet sich einem von hier auch die ganze Schönheit der Toten Dünen. Von den höchsten Sandverwehungen am Ende des Pfads können Sie einen einmaligen Panoramablick auf die Landschaft der Kurischen Nehrung genießen, mit dem Kurischen Haff auf der einen Seite und der wogenden Ostsee mit samt seinen Kiefernwäldern auf der anderen. Es ist außerdem der einzige Ort, an dem man sehen kann, wie die Sonne aus dem Meer aufsteigt und auch wieder im Meer versinkt. Das ganze Landschaftsensemble ist ein atemberaubend schönes Gemälde der Natur.
 
Die Tote Düne ist die längste
 
Die Tote oder auch Graue Düne ist eine Ansammlung sandverwehter Hügel mit Gruben und Höhlungen. Sie ist mit Kräutern bewachsen und enthält Fragmente alten Waldbodens. Diese Düne ist zugleich auch die längste Düne Litauen und birgt in sich einige der traurigsten Begebenheiten dieser Gegend. Zwischen 1675 und 1854 wurden hier vier Dörfer komplett begraben und befinden sich heute tief unter dem Sand. Die damalige Geschwindigkeit der Düne soll 0,5 bis 1m pro Jahr betragen haben und die Menschen haben lange Zeit erfolglos mit ihr gekämpft.
 
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