S. Linkevičius / „Pacai“

Landgüter und Herrenhäuser

Die schönsten Gebäude Litauens, die die Zeit, Kämpfe und Kriege sowie gute und schlechte Zeiten überstanden hat, erzählen uns Geschichten, Lebenden und enthüllen Ereignisse, ohne die es weder uns noch Litauen geben würde. Die Großfürsten Litauens haben ihre Paläste, Burgen, Schlösser und Herrenhäuser bereits im 13. Jahrhundert errichtet. Die früheste erhaltene Herrscherresidenz ist die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begonnene und zu Beginn des 15. Jahrhunderts vollendete Burg Trakai. Einige der Residenzen wurden im Stil der Renaissance und des Barocks errichtet, etwas mehr davon sind klassizistische Gutshöfe. Die häufigsten erhaltenen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert waren bekannt für die freien Improvisationen ihres Baustils.
Die Burgen und Herrenhäuser Litauens haben über Jahrhunderte die militärische Stärke, Wirtschaft und Kultur unseres Landes garantiert. Die darin wohnenden und schaffenden gebildeten Bürger halten dem Land dabei, seine Ziele zu verfolgen, seine Eigenstaatlichkeit aufrecht zu erhalten und für die eigene Sippe sowie die Herrlichkeit des Landes zu kämpfen. Die Mauern jeder Burg und jedes Herrenhauses erzählen uns eine Legende. Man muss nur gut zuhören.

Chodkiewicz-Palais in Vilnius

Dieses Palais geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Das nach weiteren drei Jahrhunderten rekonstruierte Chodkiewicz-Palais wurde zu einem der größten, prächtigsten und stilvollsten Ensembles des Spätklassizismus in Litauen. Mehr als drei Jahrhunderte lang residierten darin Generationen der Adelsfamilie Chodkiewicz. Später, als das Palais an die Universität Vilnius übergeben wurde, richteten sich hier die Professoren ein, und heute befindet sich hier die Vilniusser Gemäldegalerie. Der repräsentative Innenhof ist von vier Gebäudeteilen des Palais umgeben. Er ist nahezu unverändert erhalten geblieben, und deshalb spürt man auf dem Hof quasi den Geist vergangener Jahrhunderte. Halten Sie einfach inne und lassen Sie die Herrlichkeit des Palais auf sich wirken.

Radziwiłł-Palais in Vilnius

Heute liegt es direkt im Herzen der Vilniusser Altstadt, damals befand es sich in einem Garten außerhalb der Stadt. Historische Quellen besagen, dass sich dort, wo es heute steht, noch im 16. Jahrhundert ein Palast von Nikolaus Radziwiłł dem Schwarzen befand. Nach mehr als einem Jahrhundert wurde es von diesem Adelsgeschlecht modern erneuert, es erhielt Formen der Renaissance und wurde im Geist des Manierismus dekoriert. Kriege und Brände haben dem schönsten Gebäude von Vilnius stark zugesetzt. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde es restauriert. Heute hat hier das Litauische Kunstmuseum seinen Sitz, und einer seiner Säle ist den Bauherren des Palais – der Familie Radziwiłł – gewidmet.

Pacai-Palais in Vilnius

Die Adelsfamilie Pacai, die Barockkirchen und große Kloster erbauten, beteten nicht nur in einer herrlichen Umgebung, sondern wohnten auch entsprechend. Das Pacai-Palais war in Vilnius mehrere Jahrhunderte lang das größte Prunkstück der Stadt, nachdem es von den aus Florenz angereisten italienischen Künstlern Giovanni Battista Frediani, Giovanni Pietro Perti und Michelangelo Palloni verziert worden war. Mit Vorliebe wohnten darin in die Stadt angereiste Könige, Staatsoberhäupter und Händler. Die Einnahmen aus der Miete setzte der Hausherr des Palais für den Bau der herrlichen Barockkirche der Hl. Apostel Peter und Paul in Vilnius ein. Heute sind die barocken Fresken des Pacai-Palais wieder lebendig: Hier befindet sich das Hotel „Pacai“, das zur weltweit bekannten Fünf-Sterne-Hotelkette „Design Hotels“ gehört.

Landgut Kairėnai

Zu seinen besten Zeiten fehlte es auf dem Landgut nicht an Vergnügungen: Dichter Lesungen, Theateraufführungen, häusliche Spektakel, festliche Tafeln, reizende Picknicks auf der Wiese während der Fliederblüte. Das kleine Haus mit den tiefen Fenstern und seinen Vorbauten, das nach einem Brand am Anfang des 19. Jahrhunderts wiederhergestellt wurde, wirkte nicht majestätisch, aber die damaligen Gutsherren Lopacinskiai richteten es prachtvoll und elegant ein. Das Landgut verfügte über eine Kapelle, eine Kneipe mit Billardtisch, ein Theater und eine Sommerbadestelle. Nachdem es mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, befindet sich das Landgut und sein gut erhaltener Park, der über ein kompliziertes Teichsystem verfügt, heute im Besitz des botanischen Gartens der Universität Vilnius.

Gutshof und Park von Trakų Vokė

Das blaue Wasser der Seen Galvė und Skaistis untermalt das schillernde Weiß, in der das von den Grafen Tiškevičiai errichtete Gutshof Užutrakis erstrahlt. Von seinen Terrassen eröffnet sich das malerische Panorama auf die Inseln des Galvė-Sees und die Burg Trakai. Zum Ende des 19. Jahrhunderts betrug die Größe des Landgutes ca. 800 Hektar, 80 davon gehörten zur Residenz des Gutshofs. Hier wurde nach einem Entwurf des polnischen Architekten Józef Huss auch ein luxuriöses Palais mit Zügen der Neorenaissance und des Neoklassizismus errichtet. Gegenüber entwarf der Architekt regelmäßig geformte Parterres mit Lindenalleen und ornamentierten Blumen, Marmorvasen und Skulpturen. All dies setzte der aus Frankreich angereiste berühmte Landschaftsarchitekt Édouard François André in die Tat um.

Gutshof von Užutrakis

Der auf der Halbinsel zwischen den Seen Galvė und Skaistis gelegene Gutshof von Užutrakis verströmt den Geist des französischen Neoklassizismus. Und beim Spaziergang durch den am Ende des 19. Jh. vom damaligen französischen Landschaftsarchitekten Édouard François André angelegten Park des Gutshofes vergessen die Urlauber die Zeit und den Alltag. Nach seinen Entwürfen wurden etwa 100 Parks in verschiedenen Ländern der Welt angelegt. Der Park ist nicht der einzige Ort, an dem sich ein Selfie lohnt. Von der Terrasse des auf Initiative von Juozapas Tiškevičius am Ende des 19. Jh. entworfenen Herrenhauses eröffnet sich ein märchenhafter Ausblick auf den Galvė-See und die Inselburg Trakai, und der romantische Eindruck wird von den vorbeiziehenden Booten verstärkt.

Gutshof und Park von Palanga

Die einflussreiche und wohlhabende Grafenfamilie Tiškevičiai konnte es sich nicht entgehen lassen, einen Gutshof am Meer zu erwerben. Außerdem war Palanga zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits ein bekannter Kurort. Die Adeligen, die viel in der Welt umhergereist waren, brachten neue Ideen und ausländische Architekten nach Palanga. Letztere entwarfen das wunderschöne weiße Palais und den originell angelegten, mit außergewöhnlichen Pflanzen, Teichen, kleinen Brücken und Skulpturen verzierten Park. Der Schatten der Bäume, das grüne Gras und die schönsten Blüten locken im Sommer Urlauber an, die sich von der Sonne erholen möchten. Auf der Terrasse des Palais finden Konzerte klassischer Musik statt und die Räume im Innern beherbergen eine fantastische Bernsteinsammlung.

Landgut und Orangerie von Kretinga

An diesem wunderbaren Ort befand sich einst ein gartenvoller Obstbäume, die in der Bischof von Vilnius, der der Harmonie zwischen Architektur und Natur nicht gleichgültig gegenüber stand, in Kretinga anlegte. Im 19. Jahrhundert wurde der Garten zu einem Park im englischen Stil, doch seine Schönheit und die des neoklassizistischen Herrenhauses verflogen, als dieser Ort dem Adelsgeschlecht Tiškevičiai zugesprochen wurde. Das Herrenhaus wurde rekonstruiert, und es verfügte damals europaweit über den größten Wintergarten auf einen Privatgrundstück. Seltene Pflanzen lockten Gäste aus aller Welt, und den Park öffneten die Grafen auch für die Stadtbevölkerung. Das heute im Herrenhaus von Kretinga befindliche Museum Kretinga setzt die Tradition der Graphen fort, den Park für Erlebnis und Erholung anzupassen.