G. Jokūbonio skulpt. / A. Žuko nuotr.

Skulpturen

Die Skulptur ist die Poesie der Geometrie. Verknüpft in Linien, Formen und Gefühlen. Unsterbliche Werke, die eine Nachricht in die Ewigkeit schicken. Wir werden niemals erfahren, wer die Zeichen in die heidnischen Steine Litauens gemeißelt hat. Wir werden uns wundern, wer den Bäumen die Wörter gab. Wir sind machtlos im Angesicht der Schönheit der Barockskulpturen, schwärmen für moderne Winkel, die das Sichtfeld erweitern. Die Künstler Litauens verleihen der Materie eine Seele. Dann beginnt die Geometrie zu sprechen und die Skulpturen leben gemeinsam mit uns. Und wir unter ihnen.

Sehnsucht nach Freiheit

Die Sprache des Aesop in einer Skulptur? Suchen Sie danach in Litauen. In Šventoji entstand noch zu Sowjetzeiten die Skulpturenkomposition „Die Fischerstöchter“. Sie zeigte drei Schwestern, die auf den vom Meer zurückkehrenden Vater warteten. Als Litauen unabhängig wurde und die Angst schwand, offenbarte die Bildhauerin Zuzana Pranaitytė, dass sie damals tatsächlich drei Schwestern abbildete – die drei Baltischen Staaten, die ihren Blick auf die freie Welt hinter dem Meer richten und hoffen, eines Tages dorthin zurückzukehren. Litauen befindet sich in der Mitte.

Meisterwerk der Moderne

Wenn Sie über Kaunas nach Klaipėda fahren oder nach Warschau unterwegs sind, sollten Sie unbedingt am IX Fort von Kaunas halt machen. Diese beeindruckende Gedenkstätte ist von weitem erkennbar. Der Autor dieses riesigen Denkmals, der Bildhauer Alfonsas Vincentas Ambraziūnas, nennt sein Werk Denkmal der Epoche: „Dort befand sich schon immer ein schwarzer Ort. Das Denkmal steht für Kampf, Tod und Wiederauferstehung.“ Die Gedenkstätte, die weltweit als Meisterwerk der Moderne bezeichnet wird ist ein Ort zum Gedenken an die Opfer verbrecherischer Regimes.

Sonnenzeit

Tradition und moderne Technologien. Die seit Jahrtausenden bestehende Sonne streichelt mit ihren Strahlen Steinrunen, und das Gesamtwerk des Architekten Ričardas Krištapavičius, des Bildhauers Klaudijus Pūdymas und des Ethnokosmologen Libertas Klimka wiederholt quasi die vom Wind angetriebene Parnidis-Düne. Die einst von einem Sturm zerstörte Uhr zeigt wieder die Zeit an, die hier zwischen dem Meer und dem Haff unaufhörlich läuft, als wären es Sandkörner im Wind. Es ist ein einzigartiges Kunstwerk an einem einzigartigen Ort.

Jeder kann groß sein

Wer die Arbeiten des zeitgenössischen litauischen Künstlers Tadas Gutauskas einmal gesehen hat, kann sie nur schwer vergessen. Das unerwartete Verhältnis von Raum und Stoff, die Suche nach der Identität und die Gemeinschaftlichkeit. Am Schaffensprozess der Skulptur „Weg der Freiheit“ konnte jeder teilhaben – so entstanden auf dem „Weg der Freiheit“ Ziegel mit den Namen berühmter Geschäftsleute und Kulturvertreter des Landes. Das Projekt „Baum der Einheit“ widmete der Künstler dem Jahrtausend Litauens, außerdem schuf er originelle Skulpturen für den Basketball und den Golf.

Der Sternensäer

Am Anfang stand der „Säer“. In der Art deco-Hauptstadt Litauens – in Kaunas – wurde in der Zwischenkriegszeit eine Skulptur von Bernardas Bučas errichtet, die einen Bauern bei der Aussaat verkörperte. Die Jahre zogen dahin. Eines Nachts begann der Säer kein Korn sondern Sterne auszusäen. Der Straßenkünstler Morfai setzte die notwendigen Akzente. Er schenkte Kaunas ein weiteres interessantes Kunstwerk, das zwei Jahrhunderte und mehrere Generationen verband.

Freiheit

Die Geschichte der Freiheit ist ein Meer voller Wellen, gepeitscht von fremden Winden und Strömen, und es wurde mehrfach zum Wunder. Ein unerwartetes Schicksal erfuhr auch die Personifikation der Freiheit – die vom Bildhauer Juozas Zikaras geschaffene Skulptur der „Freiheit“ in Kaunas. Die Nationalsozialisten wollten sie einschmelzen und das Metall an die Front schicken, aber es gelang ihnen nicht. Auch zu Sowjetzeiten misslang ihre Zerstörung. Denn die Freiheit ist unsterblich. Sie blieb erhalten und wird auf ewig bewahrt.

Die Meerjungfrau hinter dem Fluss

Die elegant in einem Bogen an der Brücke nach Užupis sitzende Jungfrau aus Bronze mit einem Schwanz erinnert natürlich an eine Undine. Sie wird auch Jungfrau von Užupis genannt und ist eine Göttin, die der Vilniusser Altstadt den Rücken zugekehrt hat und auf das andere Ufer blickt. Hinter den Fluss. Diese Bedeutung verbirgt sich in der Bezeichnung des ältesten Außenbezirks von Vilnius – „Užupis“. Er ist eine Gemeinde von Künstlern, in der die ganze Welt Platz findet. Die Weltbürger werden auch von der Meerjungfrau des Bildhauers Romas Vilčiauskas nach Užupis gelockt. Es ist schwer, ihrem Zauber zu widerstehen.

Königin der Liebe

Barbara Radziwiłł ist die einzige Litauerin, die zur Königin gekrönt wurde. Die Liebe Barbaras und des Königs Sigismund August wurde zu einer Herausforderung für die Hierarchie. Zu einer ebenso modernen und mutigen Herausforderung wurde die ihr gewidmete Skulptur des Bildhauers Vladas Vidžiūnas, die in der Liebesstadt der Königin den Zauber der romantischen Geschichte verbreitet.

Erster Frank Zappa weltweit

Wussten Sie, dass das erste Denkmal für Frank Zappa, den Schöpfer der psychedelischen und satirischen Musik, in Vilnius errichtet worden ist? „Der Geist ist wie ein Fallschirm. Er funktioniert nur, wenn er offen ist“, sagte er selbst. Die Künstler aus Vilnius haben die Idee von einem Denkmal für Zappa verbreitet, und der Bildhauer Konstantinas Bogdanas verlieh ihr einen Körper. Wenn Sie nichts über Frank Zappa wissen, dann kommen Sie wenigstens vorbei, um sich zu vergewissern, dass es sich tatsächlich nicht um James Brown handelt. Im multikulturellen Vilnius ist das Denkmal für einen weltberühmten Musiker bezeichnend für einen neuen Abschnitt der postsowjetischen Geschichte des Landes.

Goldener Junge von Šiauliai

Wenn Sie in Šiauliai fragen würden, wo sich die Skulptur des „Schützen“ befindet, wären die Ortsbewohner vielleicht etwas verwirrt. Sie wissen aber genau, wo ihr Goldjunge steht. Wie es sich für die Stadt der Sonne gehört, thront der „Schütze“ auf der Spitze der höchsten Sonnenuhr Litauens. Der Platz, an dem sich die Skulptur des berühmten Bildhauers Stanislovas Kuzma befindet, wurde quasi als Zifferblatt einer Sonnenuhr geplant. Der Schatten darauf zeigt 12, 3 und 6 Uhr, und diese Zahlen symbolisieren das Jahr der Schlacht von Schaulen, die die Litauer „Sonnenschlacht“ nennen – das Jahr 1236.

„Sauerstoff“

Am Ort eines ehemaligen sowjetischen Denkmals auf dem Burghügel von Salduvė hat die Skulptur „Sauerstoff“ von Gintautas Lukošaitis ihre Arme zum Flug ausgebreitet. Die moderne Skulptur eines nackten Kriegers, mit einem Pilotenhelm auf dem Kopf, ist 3 Meter hoch. Sie siegelt die Identität von Šiauliai als Stadt wider.