G. Kondrotas / Real is Beautiful Stock

Ethnografische Regionen

Wenn Sie beschlossen haben, Litauen wenigstens eine Woche zu widmen, dann können Sie sehr viel unternehmen. Wählen Sie das Transportmittel aus, das Ihnen am meisten gefällt – Fahrrad, Motorrad, Auto, Bus oder Zug – und erforschen Sie die Regionen Litauens. Diese unterscheiden sich nämlich sehr voneinander.

Dzūkija

Im Südosten Litauens, zwischen Wäldern und Sümpfen, sandigen Hügeln und in den Wäldern versteckten Seen leben die Menschen der Region Dzūkija, die auf ihre alten Traditionen stolz sein können, besonders auf die Bräuche einer harmonischen Nachbarschaft, die Liebe zur Umwelt und allem, was lebt sowie auf ihre Pilze und Beeren. In den Wäldern gibt es authentische Dörfer. Sie bieten eine wunderbare Möglichkeit, um ein Jahrhundert in die Vergangenheit zu reisen, die Kraft des Waldes zu spüren und in das ruhige, langsame Leben in der Natur einzutauchen.

Oberlitauen (Aukstaitija)

Im Osten unseres Landes, wo sich die farbenfrohen Hügel erstrecken, wo die Wälder grünen, die Flüsse sich dahinschlängeln und die Seen die sich nach Ruhe sehnenden Menschen anlocken, dort liegt Oberlitauen. Es ist die größte und mannigfaltigste ethnografische Region, die man nicht an einem Tag kennenlernen kann. Sie ist so unterschiedlich, so verschieden, dass man unterwegs bei gastfreundlichen Aukštaiten etwas mehr Zeit einplanen sollte.

Kleinlitauen (Mažoji Lietuva)

Es ist ein ganz anderes Land. Eine Region, die die einzigartigsten Orte Litauens beherbergt: die Kurische Nehrung, die Teil des UNESCO-Welterbes ist, das von Vogelgesang erfüllte Memeldelta, das alte Städtchen Rusnė, das Dorf Minija, auf dessen Straßen Boote fahren, das Windenburger Eck (Ventės ragas), über das der große Migrationsweg der Vögel verläuft, die alten Leuchttürme von Uostadvaris und Ventės ragas. Im Landkreis Klaipėda gibt es andere Regeln und andere Traditionen. Sie wurden vom Deutschen Orden, dem Herzogtum Preußen und dem Deutschen Reich beeinflusst. Das Rad der Geschichte hat sich weitergedreht, aber die Zeichen der Zeit sind geblieben. Sie zu spüren ist eine außergewöhnliche Erfahrung.

Niederlitauen (Žemaitija)

Niederlitauen war schon immer eine eigenständige Republik – ein Teil Litauens, und gleichzeitig auch nicht. Eine Region, die sich über Jahrhunderte ihre Identität, ihre Kultur bewahrt hat, und die Žemaiten haben ihren hartnäckigen Charakter und ihre Sprache. Die Žemaiten wurden als letzte Heiden Europas getauft, und die Opferstätten des alten Glaubens kann man heute noch auf Burghügeln finden. Es ist wunderbar, in einem der geheimnisvollsten Gebiete Litauens nach Spuren der dramatischen Geschichte zu suchen. Das Ergebnis der Suche kann sehr unverhofft sein.

Suvalkija

An der Grenze zu Polen, ganz in der Nähe von Kaliningrad, am linken Ufer der Memel, wo das Land flach ist und sich die Täler von Šešupė, Rausvė und Širvinta erstrecken, wo sich im Vištytis-Regionalpark hohe Hügel erheben und grüne Wälder rauschen, lebten seit alten Zeiten die Menschen eines Stammes der Balten – die Sudauer. Historische Quellen erwähnen diese Tatsache sehr früh – 800 Jahre bevor im Jahr 1009 der Name Litauens zum ersten Mal genannt wurde. Das damals von den Kreuzrittern gebeutete Land ist heute eine unheimlich interessante Region, reich an kulturellen Ereignissen, und sie hat Litauen seine literarische Sprache beschert.