A. Aleksandravičius

Traditionelle Feste

In vielen Fällen sind die der alten heidnischen Religion entstammenden traditionellen litauischen Feste, die später auch eine christliche Bedeutung erhalten haben, nicht weniger bunt als Ostereier, Faschingskostüme oder Kränze zum Johannisfest. Die den Zyklus der Natur und der Erde verehrenden baltischen, christlichen und neuzeitlichen Bräuche sind nicht dissonant, sondern schaffen eine einzigartige, nur für unser Land typische Tradition des Feierns.

Heilige Drei Könige

An diesem Tag, der das Ende der Weihnachtszeit verkündet (6. Januar), sind auf den Straßen der Städte Litauens Festumzüge mit den drei Königen Kaspar, Melchior und Balthasar, die zum Jesuskind eilen, unterwegs. Wenn Sie sich genau umschauen, werden Sie an vielen Türen mit geheiligter Kreide geschriebenen Namens und Kreuzzeichen sehen (+K+M+B), die den Segen Gottes dieses so gekennzeichneten Hauses bedeuten. Am Tag der Heiligen Drei Könige wird gewöhnlich das wichtigste Symbol der Festtage – der Weihnachtsbaum – abgeschmückt und verabschiedet.

Fasching

Am Dienstag, dem letzten Tag vor der Zeit der Besinnung und des Fastens (46 Tage vor Ostern), wird ein archaisches Winterfest gefeiert – das turbulenteste im litauischen Kalender. Dabei soll der Mensch alles tun und sich nicht zurückhalten: so viel wie möglich essen, so viel Lärm wie möglich machen und so ausgelassen wie möglich sein. Die Menschen auf den Plätzen der Städte legen eindrucksvolle Masken der Figuren dieser Feier an, Essen über ein Dutzend verschiedene Arten von Eierkuchen und andere deftige Gerichte, beobachten die Kämpfe der verkleideten, die den Frühling und den Winter symbolisieren, und zum Schluss wird die Morė – eine mit Stroh gestopfte Puppe, die die dunkle Jahreszeit verkörpert, auf dem Feuer verbrannt. Das eindrucksvollste Faschingsfest findet im Volkskundemuseum in Rumšiškės statt.

Palmsonntag

An diesem Tag, der als Frühlingsanfang gilt (1 woche vor Ostern), grünen und erblühen die Straßen der Groß- und Kleinstädte Litauens! Die Litauer lassen ihre traditionellen Wacholderzweige oder reichhaltig verzierten geflochtenen Palmwedel – die Verbos – in der Kirche segnen, in der Hoffnung, dass sie im eigenen Haus das ganze Jahr über vor dem Bösen und vor Unglück schützen. Oft werden die Hausbewohner mit dem geheiligten Palmwedel „abgeklopft“ – nicht zur Strafe, sondern um Gesundheit zu wünschen. Die Position des Palmwedelflechtens besteht in Litauen und besonders in Vilnius bereits Jahrhunderte, deshalb können Sie an diesem Sonntag an den Kirchen Palmwedel verschiedenster Größe erwerben – ein wunderbares Souvenir aus Litauen!

Ostern

Beim litauischen Osterfest gilt die Hauptaufmerksamkeit den Ostereiern. Die gefärbten Eier symbolisieren die Wiedergeburt und das Leben. Sie sind das Hauptgericht der Festtafel zu Ostern, im Zusammenhang mit ihnen gibt es Ostertraditionen und Spiele. Alle anderen am festlichen Frühstückstisch versammelten Verwandten beim Wettstreit um das stärkste Osterei zu besiegen, ist jedermanns Traum! In Litauen gibt es unzählige Technologien zur farbigen Gestaltung der Eier: vom anspruchsvollen Schälschnitt und der Wachsmalerei bis hin zur archaischen Färbung durch das Kochen im Sud von Zwiebelschalen.

Sommersonnenwende (Johannisfest)

In der kürzesten Nacht des Jahres wird das wichtigste litauische Fest der warmen Jahreszeit gefeiert (24. Juni), das durch seine Romantik bezaubert. Im Schutze der Natur, beispielsweise auf den Burghügeln von Kernavė, auf dem Rambynas-Berg oder in Jonava werden bei diesem traditionellen baltischen Fest Kränze aus litauischen Gräsern geflochten und zu Wasser gelassen, große Feuer entfacht. Es wird getanzt und gesungen, und wenn es für einige Stunden dunkel geworden ist, begeben sich die Menschen auf die Suche nach der geheimnisvollen Farnblüte. An diesem Tag wird auch der Namenstag des beliebtesten litauischen Namens – Jonas – gefeiert.

Staatstag (Krönung von König Mindaugas)

Am Tag der Krönung des einzigen litauischen Königs Mindaugas (6. Juli) können Sie bei diesem seit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts gefeierten Fest Zeuge einzigartiger litauischer Traditionen der Neuzeit werden. In allen Groß- und Kleinstädten des Landes, wie auch in aller Welt – dort, wo die Litauer leben, wird zum Staatstag zur gleichen Stunde die litauische Hymne gesungen – der sogenannte „Nationalgesang“ von V. Kudirka. Diese erst weniger als ein Jahrzehnt bestehende Tradition ist eine der am erfolgreichsten angenommenen und landesweit beliebtesten.

Mariä Himmelfahrt

Den wirklichen Geist dieses Festes werden Sie bei einem Besuch im litauischen Dorf spüren. Bei dem in jeder Kirche gefeierten Ablassfest Mariä Aufnahme in den Himmel (15. August), von dem die größten Feierlichkeiten im Ort Pivašiūnai in der Region Alytus begangen werden, bringen die Ortsansässigen bunte Sträuße, die nicht nur aus den Blüten der schönsten Blumen, sondern auch aus dem Symbol der neuen Ernte bestehen – aus Getreideähren. Bei den Traditionen an Mariä Himmelfahrt sind die Anlässe des christlichen und des landwirtschaftlichen Jahreszyklus (das Ende der wichtigsten Arbeiten des Jahres) hervorragend aufeinander abgestimmt. An diesem Tag sind Beisammensein und Gemeinschaftsgeist sehr wichtig – dies war nicht nur für alte Zeiten sondern ist auch für die Gegenwart sehr aktuell.

Tag-und-Nachtgleiche

Wenn der Tag die Länge der Nacht erreicht hat und langsam kürzer wird, wenn sich der Zyklus der Natur auf sein Ende zubewegt, dann ist es Zeit, sich über die neue Ernte zu freuen, für sie zu danken und sich auf die dunkle Jahreszeit vorzubereiten. Zur Tag-und-Nachtgleiche werden in Litauen Märkte veranstaltet, auf denen die Güter des Herbstes zum Verkauf stehen, Strohskulpturen werden verbrannt, verschiedene Veranstaltungen mit natürlichem Feuer werden abgehalten – die wohl eindrucksvollste von allen können Sie in Vilnius am Ufer der Neris verfolgen. Am 22. September, an dem im Jahr 1236 in der Schlacht von Schaulen durch die gemeinsamen Anstrengungen der baltischen Stämme der Schwertbrüderorden besiegt wurde, verkündeten die Parlamente Lettlands und Litauens im Jahr 2000 auch den Tag der baltischen Einheit.

Heiligabend

Wenn es eine Zeit im Jahr gibt (24. Dezember), in der die absolute Mehrheit der Litauer zu Hause bei ihrer Familie ist, dann ist das zweifellos Heiligabend. Für die über verschiedene Städte und sogar Länder verteilte Familie ist das Beisammensein an der mit 12 Gerichten gedeckten festlichen Tafel und das Teilen der geheiligten Weihnachtsoblate sowie das Genießen der Ruhe die wichtigste feierliche Tradition in Litauen. Die heilige Nacht ist die geheimnisvollste des Jahres. Man glaubt, dass zu dieser Zeit die Tiere sprechen können, das Brunnenwasser zu Wein wird sowie Weissagungen und Träume sich erfüllen werden.

Weihnachten

Das auf Heiligabend und die wundersame heilige Nacht folgende Weihnachten (25.-26. Dezember) ist ein Fest der Freude, des satten Essens und der Güte. In jedem Haus finden groß und klein unter dem geschmückten Weihnachtsbaum Geschenke vom Weihnachtsmann, die Gerüche von Fleischgerichten und traditionellen Kuchen steigen in die Nase, und die Türklingel verkündet die Ankunft der Gäste – es ist an der Zeit, das größte Fest des Jahres zu feiern! Die Weihnachtsstimmung durchdringt nicht nur jedes Haus, sondern auch die Plätze und Straßen der Städte. Viele Konzerte, Aufführungen und Veranstaltungen für Kinder und Familien werden organisiert. Vilnius wurde von internationalen Tourismusexperten als eine der Städte anerkannt, deren Besuch sich über Weihnachten am meisten lohnt.