M. Jovaiša

Was ist Litauen?

Nur ein kleiner Punkt auf der Weltkarte – für einen Fremden. Für einen von uns ist es ein Land, das Jahrtausende von Menschen geschaffen wurde. Ein Land, das uns mit den Wurzeln unserer Vorfahren umgibt, mit ihrer Erfahrung, den Kriegen, in denen sie kämpften und mit den Menschen, die sie liebten. Litauen - das sind immer sie. Die Schöpfer des Staates, die Erbauer der Städte, die Träger von Wissenschaft und Kultur, jene, die stets nach ihrer Identität gesucht und die Kraft aufgebracht haben, das zu neuem Leben auferstehen zu lassen, was scheinbar auf ewig verschwunden war. Im Jahr 1009 wurde der Name Litauens zum ersten Mal niedergeschrieben, aber die ersten Einwohner, so die Meinung, tauchten hier bereits 10000–9000 Jahre vor unserer Zeit auf, und weitere 7000 Jahre später gelangten die baltischen Völker zur Ostsee. Wer kann die Wirren der Geschichte nachvollziehen, doch schöne Legenden, die in uns Leben, verleihen Stärke. Und jedes Mal, wenn wir denken, dass es eine Vorbestimmung des Schicksals gewesen ist, dass wir in einem Land geboren wurden, das mehr als ein Jahrtausend besteht, dann möchten wir lautstark über Litauen sprechen.

Litauen feiert

In diesem Jahr feiern wir unsere Freiheit. 100 Jahre, die seit Etablierung der Unabhängigkeit im Jahr 1918 vergangen sind, stellen für unser kleines Land ein großes Jubiläum dar. Der litauische Unabhängigkeitstag – der 16. Februar – ist wie eine Brücke, die zwei Generationen Litauens verbindet: das 1253 geborene alte Litauen und das unabhängige Litauen von 1990.

Unsere Historiker sind sich einig: die Hundertjahrfeier des modernen Litauens ist eine große Geschichte des Erfolgs eines wunderbaren Landes. Diese Geschichte erzählt uns, wie wir unsere Einstellung zu Europa und der Welt geändert, eine moderne Gesellschaft hervorgebracht und gelernt haben, in einem Zustand wahrer Freiheit und Demokratie zu leben.

Der Name Litauens wurde in schriftlichen Quellen erstmals 1009 erwähnt. Seitdem hatte unser Land eine turbulente Geschichte. Der moderne Staat Litauen wurde 1918 gegründet, als die Unabhängigkeitserklärung des Landes am 16. Februar unterzeichnet wurde. Litauen litt 120 Jahre unter schwerer Unterdrückung durch das Russische Reich, und damals an diesem Tag im Februar begann ein neues Leben für ein neues, freies Land.

Im Sommer 1940 wurden die Errungenschaften des jungen Staates zerschlagen – die Sowjetunion besetzte Litauen. Die Panzer eines fremden Landes und die eingetroffene Rote Armee blieben für eine ziemlich lange Zeit in unserem Land, und zwar bis 1992, obwohl die Unabhängigkeitserklärung Litauens am 11. März 1990 unterzeichnet wurde.

Ohne den 16. Februar 1918 hätte es keinen 11. März 1990 gegeben. Anlässlich des 100. Jahrestages des unabhängigen Litauens bieten wir unserem Land alles, was wir haben – die Trikolore, unsere Nationalflagge, freundliche Umarmungen, Jahrhunderte alte Geschichten, Bücher, Ausstellungen, Aufnahmen, denkwürdige sportliche Siege, endlose Wanderungen, Nachtweiden und natürlich die schönsten Lieder und Tänze beim Jubiläumsliedfestival „Im Namen Litauens“ („Vardan tos ...“).

Wir lieben Basketball

Es hat keinen Sinn, in Litauen über Fußball zu sprechen. Niemand wird Ihnen etwas darüber erzählen. Und es werden auch keine Namen fallen, die die Welt beeindrucken können. Alles dreht sich um Basketball. Für den Basketball sind die Litauer für alles bereit. Selbst das Beste und das Letzte werden dafür gegeben.

Es lohnt sich, die Ovationen zu verfolgen, die in der Arena beim Spiel einer litauischen Basketballmannschaft verursacht werden. Wir schämen uns nicht in Tränen auszubrechen, wenn unser geliebtes Team verliert. Wir spielen Basketball auf den Straßen, auf dem Land, an Schulen, an Seen und bei Musikfestivals – zwei gegen einen, drei gegen zwei. Den Korb zu treffen und unbändige Emotionen aufzurühren – das liegt in unseren Genen. Viele Kinder haben keine Zweifel, welche Sportart sie wählen sollen.

Die komplizierten Nachnamen litauischer Spieler sind nicht nur bei europäischen Basketballvereinen und ihren Fans beliebt, sondern werden auch in den stärksten Basketball-Ligen der Welt, bei den Trainern und Spielern der NBA mit großer Mühe aber respektvoll ausgesprochen. Schon vor der Wiederherstellung der Unabhängigkeit wurden die Wege von Šarūnas Marčiulionis und Arvydas Sabonis zu dieser Liga geebnet. Heute sind sie echte Legenden des Basketballs in unserem Land.

Mit einem Heißluftballon über der Hauptstadt

Je ruhiger der Abend, desto besser. Wenn der Wind leicht weht, steigen die Heißluftballons wie farbige Seifenblasen über den roten Dächern der Altstadt von Vilnius auf. Manchmal schweben sie so tief, dass es so aussieht, als müssten Sie nur den Arm heben, den Luftballon fassen und dann würden Sie in atemberaubende Höhe gezogen werden. Im Frühjahr kann man von oben die blühenden Gärten der Stadt bewundern, im Sommer kann man die Touristen zählen, die in Straßencafés sitzen, im Herbst bezaubern die malerischen Baumwipfel aus der Höhe, und es verschlägt einem sogar den Atem.

Litauer sind ewige Romantiker. Wir gehören zu den fünf Ländern, wo die Zahl der Heißluftballons und ihrer Piloten pro tausend Einwohner die höchste ist. Vilnius und Trakai werden von Weltreisezeitschriften seit mehreren Jahren zu den bekanntesten Orten der Welt gezählt, die man unbedingt von oben gesehen haben muss.

Vilnius ist die einzige Hauptstadt Europas, in der es gestattet ist, mit Heißluftballons direkt aus der Altstadt zu starten. Gehen Sie einfach zum Tymo-Viertel, dort gibt es eine Wiese auf der Sie sofort in einen Korb steigen und sich im Himmel wiederfinden können. Die Fahrt in einem Ballonkorb über Vilnius ist etwas Besonderes. Sie werden sich erneut in Vilnius verlieben. Lassen Sie uns gemeinsam dieses Abenteuer erleben.

Universität Vilnius

Seit mehr als 400 Jahren wird an der Universität Vilnius studiert, seit mehr als 400 Jahren betreiben die Professoren dort Forschungsarbeit, und seit über 400 Jahren machen die Studenten dort ihre ersten Schritte auf dem Weg zu außergewöhnlichen Leistungen in Wissenschaft, Kultur, Philologie und Philosophie. 1579 wurde die Universität Vilnius von Jesuiten gegründet und vom König Polens und des Großfürsten Litauens Stephan Báthory eingeweiht. Die prosperierende Universität hatte eine Druckerei, hier wurden Vorträge gehalten und Lehrprinzipien sowie ein intensives Studienprogramm von Professoren der damaligen katholischen Universitäten West- und Mitteleuropas eingeführt. In ganz Europa war die Theologische Fakultät der Universität Vilnius für ihre hochmodernen Ideen bekannt.

Heute hört man an der Universität von Vilnius die Stimmen von Studenten aus der ganzen Welt. In den mit künstlerischen und architektonischen Meisterwerken geschmückten Gemäuern werden bemerkenswerte wissenschaftliche Errungenschaften der Welt hervorgebracht.

Die Fakultäten für Geschichte, Philologie und Philosophie befinden sich im Herzen der Altstadt von Vilnius. Ein Rundgang durch die Höfe der Universität wird wie ein ganzer Vorlesungszyklus über die Entwicklung der Architektur und ihrer Verzierungen. Die Kunstformen der Gebäude spiegeln die architektonischen Stile des damaligen Litauens wider: Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus. Wie viele Höfe gibt es? Zählen wir zusammen?

Seltene Vogelwege

Im Herbst erheben sie ihre starken Flügel, versammeln ihre Freunde durch die nur ihnen allein vertrauten Geräusche und fliehen vor dem Winter dorthin, wo es warm ist. Im Frühling kehren sie zurück, nisten, ziehen ihre Kinder auf und begrüßen uns mit ihren Gesängen. Wir freuen uns, sie zu hören. Es gibt sogar Tage, die einigen Vögeln gewidmet wurden: Wir feiern den Tag der Feldlerche, den Tag der Saatkrähen, wir freuen uns auf den Tag der Rückkehr von Kiebitz und Storch. Im Herbst, wenn die Vögel intensiv wandern, fliegen mehr als eine Million Vögel an einem Tag über die litauische Küste. Der Weg der Vögel erstreckt sich über Ventės ragas. Das ist ein einzigartiger Ort, wo im Jahr 1929 am damaligen Windenburger Eck eine Vogelwarte gegründet wurde. Das ist eine Umgebung, die einen fantastischen Blick auf die Lagune und das Memeldelta bietet. Ornithologen erzählen hier den neugierigen Besuchern über die Vögel, erlauben es auch, sie aus den Netzen nehmen und den Fuß mit einen Ring zu versehen. Lassen Sie das Vögelchen fliegen, lassen Sie andere erfahren, wo es gewesen ist.

Bernstein ist unser Gold

Heute ist es unvorstellbar, was vor 50 Millionen Jahren auf der Welt passiert ist. Es ist bekannt, dass Europa und unser Land Litauen nur aus Wäldern bestand. Von den Bäumen tropfte das Harz, das sich im Wasser nicht auflöste und über die Flüsse zum Meer getragen wurde. Es war ein langer Weg, und dabei wurde allerhand darin eingeschlossen – Insekten, Nadeln, Grasstücke und verschiedene farbige Erdstücke. Jahrtausende lag das Harz am Boden der Ostsee, und so verwandelten sich die Stücke in Bernstein. Wir nennen sie seit langem „das litauische Gold“. Die baltischen Stämme verwendeten Bernstein bereits in den Jahren 2000 bis 1800 vor Christus. Sie machten daraus Schmuck und Webereiwerkzeuge, mit Hilfe des Bernsteins behandelten sie Krankheiten und schützten sich vor bösen Geistern. Bernsteinrauch diente dazu, Kinder vor Unglück zu schützen, Männer, die in den Krieg zogen und Jungvermählte zu beschützen. Heutzutage schätzt man die in Erinnerung gerufenen besonderen Eigenschaften des Bernsteins erneut. Moderne Schmuckstücke werden aus Bernstein hergestellt, Bernsteinstaub, -öl und -Räucherstäbchen werden sowohl für Massagen, als auch im Spa verwendet. An stürmischen Tagen spült das Meer immer noch Bernsteinstücke ans Ufer. Es ist eine große Freude, ein Bernsteinstück an der Küste zu finden. Versuchen Sie es auch – Sie werden verstehen, was wir meinen.

Unsere einzigartige Sprache

Wir müssen Sie leider enttäuschen – in einer Woche schaffen Sie es nicht, unsere Sprache zu beherrschen. Die litauische Sprache ist eine geistige Herausforderung, und manche Anthropologen sind der Meinung, dass archaische Schriftzeichen und ungewöhnliche Wörter die Funktion des Gehirns anregen. Die litauische Sprache ist sehr alt. Sie ist der klassischen indischen Sprache, dem Sanskrit, dem antiken Latein dem Altgriechischen ähnlich. Die älteste erhaltene und verwendete indoeuropäische Sprache der Welt wird bis heute erforscht.

Was muss man wissen? In der litauischen Sprache gibt es keine Artikel, die Beziehungen zwischen den Wörtern im Satz werden durch die wechselnden Wortendungen definiert. Unsere Wörter werden unterschiedlich betont, die verschiedenen Betonungen können demselben Wort eine andere Bedeutung geben. Wir lieben Diminutive und andere Verkleinerungsformen der Substantive, wir fluchen nicht. Wenn wir böse werden, können wir einen Feind zum Beispiel als „Aal“ oder „Kröte“ bezeichnen. Wir haben den Buchstaben „ė“, den Sie in keiner anderen Sprache finden. Dieser Buchstabe ist Ausdruck der Weiblichkeit – auf ihm enden viele Namen von Mädchen und Frauen.

Wir schützen unsere Sprache besonders. In der Sowjetzeit haben wir unsere Sprache vor dem Einfluss der russischen Sprache geschützt, heute schützen wir sie vor dem Eindringen englischer Wörter. Um unser Wissen zu testen, schreiben wir jedes Jahr das Nationale Diktat der litauischen Sprache.

Der einzige Berg der Kreuze

Früher stand auf diesem Hügel etwas außerhalb von Šiauliai eine Burg. Der Deutsche Orden brannte diese Burg nieder, aber der Berg blieb. Die Menschen begannen in der Mitte des 19. Jahrhunderts Kreuze auf dem Hügel aufzustellen – zum Gedenken an die Toten. Auf diese Weise baten sie Gott um Gesundheit und ein langes Leben. Die Kreuze wurden hier von Pilgern aufgestellt. Die Menschen kamen mit Gebeten und Kreuzen hierher, Künstler und geschickte Handwerker haben ihre Kreuze aufgestellt. Das einzigartige und während der harten Sowjetzeit nicht ausgestorbene Kunsthandwerk der Kreuzmacherei steht heute auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Eine besondere Aura, Dankbarkeit, Wünsche, Träume und die in diesen Berg gesetzten Erwartungen erinnern uns an die Klagemauer in Jerusalem.

Viele Jahre wurde er immer wieder zerstört, ist aber auch selbst durch Brandstiftung nicht endgültig verschwunden. Der Berg der Kreuze ist ein weiteres Symbol unserer Freiheit, und für die Pilger der Welt ist es ein Ort, den man besuchen muss. Im Jahr 1993 betete Papst Johannes Paul II auf dem Berg der Kreuze. Später erinnerte er sich in seinen Reden wiederholt an diesen Ort und sandte ein Kruzifix nach Litauen. An diesem Kreuz beginnen und enden die Gebete von Pilgern.

Der Berg der Kreuze in der Nähe der Stadt Šiauliai, wo Tausende von Holzkreuzen stehen, wurde vom Reiseportal „Condé Nast Traveler“ zu einem der 50 erschreckendsten Orte der Welt erklärt. Vielleicht möchten die Experten, die diese Liste erarbeitet haben, auf dem Berg der Kreuze keine einzige Nacht verbringen, aber für uns ist es ein Ort des Lichts und der Hoffnung, der unsere historische und kulturelle Tradition widerspiegelt.

Vier Jahreszeiten

Litauen hat über das Jahr vier unterschiedliche Gesichter. Wenn Sie uns im Frühjahr besuchen, dann werden Sie denken, dass Sie doch eigentlich keine Winterreise geplant hatten.

Wir freuen uns immer auf den Frühling. Nach einem langen Winter erfreut er uns mit den duftenden treibenden Knospen. Danach liegen Apfel-, Kirsch- und Kastanienblütenblätter überall auf dem Boden zerstreut. Der Frühling weckt unsere Sehnsucht auf Reisen und die Lust auf Abenteuer. Vielleicht möchten Sie es auch erleben?

Im Sommer ist alles grün. Im Wald pflücken wir rote Walderdbeeren, und die Städte öffnen ihre Türen und Fenster für die Gäste. Begleiten Sie uns in der Nacht, wenn der Tag die Nacht überwindet, in der Feuer gemacht wird und in der wir über die Flammen springen, wenn wir Blumenkränze flechten und am Morgen durch taunasse Wiesen spazieren. Es wird Ihnen wie ein Traum erscheinen, aber es wird wahr sein, wir versprechen es Ihnen.

Der litauische Herbst riecht nach Äpfeln und Pilzen, nach gutem Jazz, Theater und Ausstellungen. Aber auch nach moderner Kunst. Wie ein perfekter Maler schmückt der Herbst Wälder, Gemüse- und Obstgärten, und auch die Teller in den besten Restaurants. Und selbst wenn der Himmel von Wolken überzogen ist, es anfängt zu regnen und sich alles in ein elegantes Grau hüllt, haben wir etwas zu bieten. Glauben Sie nicht? Kommen Sie uns besuchen und lassen Sie es sich beweisen.

Im Winter brauchen wir warme Kleidung und gute Schuhe, denn es kann sein, dass wir durch tiefen Schnee gehen müssen. In den Nachtclubs in Vilnius und Kaunas geht es wirklich heiß zu, aber wenn Ihnen das nicht genügt, dann werden wir Sie in eine echte litauische Sauna einladen. Wenn Sie möchten, können Sie dort duftende Birkenquaste über Ihrem Kopf dahinsausen hören. Die Zweige dazu haben wir im Sommer in den Wäldern gesammelt und zu Bündeln gebunden. Planen Sie für diesen Spaß aber genug Zeit ein!

Das Land der Ideen und Innovationen

Ambitionen, die haben wir. Vor allem, wenn wir unsere Augen gen Himmel erheben, wo zwischen allen anderen auch unsere Satelliten reisen. Die Litauer waren schon immer ein Volk, das viele Träume hatte. Wir sind so weit entfernt von den großen Wissenschaftszentren in Europa und der Welt, doch wir haben unsere eigenen kreativen Köpfe, auf die wir in der Vergangenheit stolz waren und auf die wir auch heute stolz sind. Wir stammen aus einem kleinen Land, aber wir sind ehrgeizig und übertreffen andere in so manchen Dingen.

1925 konstruierte Antanas Gustaitis den ersten Eindecker Litauens – den ANBO I. Heute entwickelt das litauische Luft- und Raumfahrttechnologieunternehmen NanoAvionics die Satelliten „LituanicaSAT“.

Die in Litauen entwickelten und produzierten Lasersysteme werden vom militärischen Personal der NATO genutzt. Die Komponenten aus Litauen helfen beim Bau von Quantencomputern. Die Wissenschaftler der Welt nutzen bereits die litauische DNA-Scheren-Technologie, Ingenieure und Wissenschaftler der NSA interessieren sich für Technologien zur Diagnose und Überwachung menschlicher Hirne, die von der Technischen Universität Kaunas am Institut für Gesundheitstelematik entwickelt worden sind. Junge litauische Talente haben das Internet „erobert“ – Litauen ist für die von jungen Litauern geschaffenen mobilen Apps bekannt, die vielen Menschen helfen, Fotos zu bearbeiten, Kontakt mit einander in einer Stadt aufzunehmen und sogar Hunde zu trainieren. Innovationen werden auch von Künstlern genutzt. Haben Sie schon einmal Musik gehört, die von Benutzern des 4G-Netzwerks im Internet komponiert wurde?

Bis zum Schwarzen Meer

Wenn Sie in einer der Bar von Vilnius von einem Litauer begrüßt werden, der Ihnen mit Stolz erklärt, dass es eine Zeit gab, in der bärtige Litauer ihre Pferde am Schwarzen Meer zur Tränke führten, dann sollten Sie nicht denken, dass er von seinem Hopfengetränk eine weiche Birne bekommen hat. Die Wahrheit ist: Vor mehr als 300 Jahren war das Großherzogtum Litauen eines der größten Länder der Welt, das sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer erstreckte. Im Jahre 1236 besiegte der damalige König Litauens, Mindaugas, den Orden der Schwertbrüder und einte die litauischen Volksstämme. Das Werk von Mindaugas wurde vom litauischen Großfürsten Gediminas fortgesetzt. Er schwor dem Papst die Treue, ging zum Wohle des Landes eine Vielzahl nützlicher Unionen ein und hat im Laufe der Zeit seiner Herrschaft einen Staat aufgebaut, der verschiedene Nationalitäten und Religionen vereinte. Vytautas der Große erbte von Gediminas dieses mächtige Land, das er weiter stärkte. Das Großherzogtum Litauen erstreckte sich bis zum Schwarzen Meer. Im 15. Jahrhundert gilt Litauen als die Mitte Europas: „Es bestand damals aus dem heutigen Litauen, Belarus, der Ukraine und einem Teil Polens. Litauen wurde intelligent, stark und fortschrittlich verwaltet, das Land existierte bis 1795. Die Litauer erinnern sich gern und oft an die glorreiche Geschichte ihres Landes. Diese Zeit wird in Literatur, Kunst reflektiert. Manche tapferen Litauer satteln ihre Pferde und versuchen auch in der Gegenwart dieselbe Strecke von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer zurückzulegen.

Das zuletzt getaufte Land in Europa

In Litauen kann man leicht eine Zeitreise unternehmen. Bei uns gibt es Orte, an denen die Zeit quasi stillsteht und uns an das erinnert, was von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, von Jahrhundert zu Jahrhundert gekommen ist. Wir sind die letzten Heiden – Menschen des authentischen Glaubens der Balten, der vor Einführung des Christentums auf diesem Kontinent Bestand hatte. Das Heidentum begann in Litauen am Ende des 14. Jahrhunderts zu verblassen, als die Herrscher Litauens zum Christentum konvertierten. Am längsten hielten die Niederlitauer stand – sie wurden erst im 15. Jahrhundert getauft.

Heute erinnern sich die meisten nicht einmal daran, an welche Götter die alten Litauer glaubten, wen sie anbeteten, welche Lieder sie sangen und wie sie ihr Land verehrten. Die Sonne war ihr Feuer, und Perkūnas war der allmächtige Gott der Gerechtigkeit, der die Ungehorsamen mit Blitzen strafte. Die über die Jahrhunderte überlieferten Erzählungen sind heute zu schönen mythologischen Geschichten geworden, aber die alte baltische Tradition ist in Litauen immer noch lebendig. Mit ihren Ritualen, traditionellen Rundgesängen (Sutartinės) und ihrem grenzenlosen Respekt vor der Natur und dem Land ist sie ein weiterer Farbton unserer Identität. Und wenn sie Glück haben, können Sie auf einem der vielen Burghügel Litauens Zeuge der alten Hochzeitsrituale werden. Das ist kein Theater – so ist das Leben.