A. Aleksandravičius

Der einzige Berg der Kreuze

Früher stand auf diesem Hügel etwas außerhalb von Šiauliai eine Burg. Der Deutsche Orden brannte diese Burg nieder, aber der Berg blieb. Die Menschen begannen in der Mitte des 19. Jahrhunderts Kreuze auf dem Hügel aufzustellen – zum Gedenken an die Toten. Auf diese Weise baten sie Gott um Gesundheit und ein langes Leben. Die Kreuze wurden hier von Pilgern aufgestellt. Die Menschen kamen mit Gebeten und Kreuzen hierher, Künstler und geschickte Handwerker haben ihre Kreuze aufgestellt. Das einzigartige und während der harten Sowjetzeit nicht ausgestorbene Kunsthandwerk der Kreuzmacherei steht heute auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Eine besondere Aura, Dankbarkeit, Wünsche, Träume und die in diesen Berg gesetzten Erwartungen erinnern uns an die Klagemauer in Jerusalem.

Viele Jahre wurde er immer wieder zerstört, ist aber auch selbst durch Brandstiftung nicht endgültig verschwunden. Der Berg der Kreuze ist ein weiteres Symbol unserer Freiheit, und für die Pilger der Welt ist es ein Ort, den man besuchen muss. Im Jahr 1993 betete Papst Johannes Paul II auf dem Berg der Kreuze. Später erinnerte er sich in seinen Reden wiederholt an diesen Ort und sandte ein Kruzifix nach Litauen. An diesem Kreuz beginnen und enden die Gebete von Pilgern.

Der Berg der Kreuze in der Nähe der Stadt Šiauliai, wo Tausende von Holzkreuzen stehen, wurde vom Reiseportal „Condé Nast Traveler“ zu einem der 50 erschreckendsten Orte der Welt erklärt. Vielleicht möchten die Experten, die diese Liste erarbeitet haben, auf dem Berg der Kreuze keine einzige Nacht verbringen, aber für uns ist es ein Ort des Lichts und der Hoffnung, der unsere historische und kulturelle Tradition widerspiegelt.