E.Lasys

Vilnius – Stadt der Barmherzigkeit

In den schmalen Gassen der Altstadt und in Antakalnis,  dem wohl grünsten Stadtteil von Vilnius, suchen jährlich über 30.000 Pilger aus aller Welt, nach der Ursprungsgeschichte der göttlichen Barmherzigkeit.

Die polnische Ordensschwester Faustyna Kowalska trat hier 1933 in den Konvent der Barmherzigen Muttergottes in Antakalnis ein. Innerhalb von mehreren Jahren erlebte sie zahlreiche Offenbarungen Jesu in Vilnius, in denen er sie bat, die Botschaft der Barmherzigkeit Gottes in die ganze Welt zu tragen. Obwohl Faustyna auch davor Offenbarungen erlebt hatte, begann sie erst in Vilnius mit ihrem geistlichen Begleiter, dem Priester Michał Sopoćko, darüber zu sprechen. Dank zahlreicher Anstrengungen des Priesters wurden die Visionen der Ordensschwester verbildlicht und durch den Vilniusser Maler Eugeniusz Kazimirowski umgesetzt. Er schuf das „Gnadenbild vom Barmherzigen Jesus“, das heute weltberühmt ist. Auch wenn das Gemälde durch die historischen Ereignisse während der sowjetischen Besatzung jahrzehntelang in Vergessenheit geraten war, hat sich die Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit in Form zahlreicher Kopien in vielen Ländern Europas verbreitet.

Im Jahre 2000 wurde Faustyna Kowalska  durch Papst Johannes Paul II. als erste Heilige des dritten Jahrtausends gesegnet. Er würdigte gleichzeitig, dass die Barmherzigkeit, die wichtigste Botschaft des neuen Jahrtausends sei. Die Andacht der göttlichen Barmherzigkeit hat somit zum Aufbruch in ein neues Zeitalter beigetragen.

Das Originalgemälde des Barmherzigen Jesus kann im „Heiligtum der göttlichen Barmherzigkeit“ (lt. Vilniaus Dievo Gailestingumo šventovė) inmitten der Altstadt auf der Dominikonų-Straße, jederzeit besichtigt werden. Etwas entfernt von der Altstadt (V. Grybo-Straße) finden Sie auch das Haus der Heiligen Faustyna, indem ihr Tagebuch ausgestellt ist, das einige ihrer Gespräche mit Jesus beschreibt.

Auch die, wie durch ein Wunder, erhaltenen gebliebenen Klostergebäude geben viele Erinnerungen der Heiligen preis. In diesen ehrwürdigen Hallen soll sie die meisten Visionen erlebt haben, die unter anderem, zum bekannten Rosenkranzgebet der göttlichen Barmherzigkeit führten.

In Vilnius finden Sie gleich mehrere Orte, die einen Bezug zur ihr und dem Sel. Michał Sopoćko aufweisen. Diese können Sie zum Beispiel über den Pilgerweg der Barmherzigkeit erkunden. Weiterhin ist die „Woche der göttlichen Barmherzigkeit“ unter Pilgern sehr beliebt, die jedes Jahr von Ostern bis zum Fest der Barmherzigkeit am Sonntag nach Ostern stattfindet.

Die Botschaft der Barmherzigkeit ist in Vilnius allerdings nicht nur in der Andachtskirche „Heiligtum der göttlichen Barmherzigkeit“, sondern auch im „Gnadenbild der Barmherzigen Muttergottes“ in der Kapelle am Tor der Morgenröte (lt. Aušros vartai) präsent. Auf der vielverehrte Marienikone ist Maria ohne Kind dargestellt und begleitet mit ihrem Blick jeden, der an ihr vorbeikommt. Im November eines jeden Jahres wird am Tor der Morgenröte auch das Ablassfest zu Ehren der Barmherzigen Muttergottes begangen und von zahlreichen Pilgern besucht.